Liebesgedichte: Die schönsten Klassiker und neue Gedichte für deinen Schatz

Von Redaktion hab-dich-lieb.com · · 9 Min. Lesezeit

Liebesgedichte: Die schönsten Klassiker und neue Gedichte für deinen Schatz

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Liebesgedichte zum Verschenken: Klassiker von Goethe, Heine, Rilke und Ringelnatz im Volltext, neue Gedichte für deinen Schatz und Tipps zum Vortragen.

Hier findest du Liebesgedichte, die du deinem Schatz wirklich schenken, vorlesen oder in eine Karte schreiben kannst. Dazu gehören acht Klassiker im vollständigen Wortlaut, von Goethe über Heine und Rilke bis zu Ringelnatz. Alle stammen von Dichtern, deren Werke heute frei verwendet werden dürfen. Dazu kommen sechs neue Gedichte, die wir selbst geschrieben haben und die nach heutigem Alltag klingen statt nach Postkutsche. Die Gedichte sind nach Länge sortiert, weil das beim Verschenken meistens die erste Frage ist: Passt es auf eine Karte oder brauche ich eine ganze Seite? Am Ende steht, wie du ein Gedicht so vorträgst, dass niemand im Raum unruhig wird.

Welches Liebesgedicht passt zu deiner Situation?

Die kurze Antwort: Für eine Karte nimmst du höchstens acht Zeilen. Zum Vorlesen nimmst du ein Gedicht, das unter einer Minute bleibt. Für einen Brief darf es länger sein, weil dein Schatz es allein und in Ruhe liest.

Wichtiger als die Länge ist die Stimmung. Ein Gedicht über unerwiderte Liebe zum Hochzeitstag kommt falsch an, auch wenn es von Heine ist. Bevor du dich entscheidest, frag dich deshalb nur eines: Soll das Gedicht etwas über euch sagen oder über die Liebe im Allgemeinen? Für euch passen die alltäglichen, konkreten Texte. Für einen festlichen Moment wie eine Hochzeit passen die großen Klassiker, weil sie über das einzelne Paar hinausgehen.

  • Frisch verliebt: Heine, „Im wunderschönen Monat Mai“, oder Goethe, „Nähe des Geliebten“
  • Lange zusammen, Jahrestag: Rilke, „Liebes-Lied“, oder das eigene Gedicht „Was ich meine, wenn ich es sage“
  • Fernbeziehung oder Vermissen: Goethe, „Nähe des Geliebten“, oder „Halb elf“
  • Für eine Karte: Storm, „Schließe mir die Augen beide“, oder „Was ich dir geben kann“
  • Nach einem Streit: „Deine Hand“
  • Liebeskummer, zum Selberlesen: Heine, „Ein Jüngling liebt ein Mädchen“, oder Mörike, „Das verlassene Mägdlein“
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Kurze Liebesgedichte für Karte und Nachricht

Diese Gedichte haben höchstens acht Zeilen und passen auf eine Klappkarte oder in eine Nachricht, ohne dass man scrollen muss.

Schließe mir die Augen beide

Theodor Storm (1817 bis 1888)

Schließe mir die Augen beide
Mit den lieben Händen zu!
Geht doch alles, was ich leide,
Unter deiner Hand zur Ruh.
Und wie leise sich der Schmerz
Well um Welle schlafen leget,
Wie der letzte Schlag sich reget,
Füllest du mein ganzes Herz.

Acht Zeilen über das Vertrauen, sich fallen zu lassen. Es eignet sich gut für jemanden, der dir durch eine schwere Zeit geholfen hat. Alban Berg hat das Gedicht später vertont.

Du bist wie eine Blume

Heinrich Heine (1797 bis 1856)

Du bist wie eine Blume,
So hold und schön und rein;
Ich schau dich an, und Wehmut
Schleicht mir ins Herz hinein.

Mir ist, als ob ich die Hände
Aufs Haupt dir legen sollt,
Betend, daß Gott dich erhalte
So rein und schön und hold.

Eines der meistvertonten Gedichte der deutschen Sprache. Es klingt zärtlich und hat zugleich einen Hauch Wehmut. Darin liegt sein Reiz.

Im wunderschönen Monat Mai

Heinrich Heine (1797 bis 1856)

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen,
Da ist in meinem Herzen
Die Liebe aufgegangen.

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Vögel sangen,
Da hab ich ihr gestanden
Mein Sehnen und Verlangen.

Das passt perfekt, wenn ihr euch im Frühling kennengelernt habt. Robert Schumann hat seinen Liederzyklus „Dichterliebe“ mit diesem Gedicht eröffnet.

Zwei Zahnbürsten

eigener Text

Im Glas am Waschbecken
lehnen zwei Zahnbürsten aneinander.
Niemand hat sie so hingestellt.
Ich glaube, sie wissen etwas
über uns.

Was ich dir geben kann

eigener Text

Ich hab nicht viel, was ich dir geben kann,
kein Schloss, kein Meer, kein großes Wort.
Ich hab nur mich und fang bei dir an
und geh von dir nicht wieder fort.

Mittellange Liebesgedichte zum Vorlesen

Diese Gedichte dauern vorgelesen zwischen 30 und 60 Sekunden. Das ist die Länge, bei der Zuhörer aufmerksam bleiben.

Nähe des Geliebten

Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832)

Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.

Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.

Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
Im stillen Haine geh ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.

Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O wärst du da!

Das vielleicht schönste Gedicht über Sehnsucht in deutscher Sprache. Für eine Fernbeziehung passt es fast zu gut. Die letzte Zeile ist kurz, also lies sie langsam.

Liebes-Lied

Rainer Maria Rilke (1875 bis 1926)

Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.

Rilke beschreibt, wie zwei Menschen so verbunden sind, dass einer mitschwingt, wenn den anderen etwas bewegt. Das Gedicht passt besser zu einem Paar, das schon lange zusammen ist, als zu einem ersten Date. Zum Vorlesen braucht es Übung, weil die Sätze über die Zeilenenden hinweglaufen.

Halb elf

eigener Text

Bei dir ist es jetzt halb elf,
bei mir auch, das ist das Gemeine.
Gleiche Uhrzeit, gleicher Mond,
nur sechshundert Kilometer dazwischen,
und dein Kissen riecht seit Montag
nicht mehr nach dir.

Deine Hand

eigener Text

Wir haben uns heute nichts geschenkt,
kein gutes Wort, nur harte Sätze.
Jetzt liegst du da und schläfst schon fast,
und ich such im Dunkeln deine Hand.
Ich finde sie.
Sie war die ganze Zeit da.

Dienstag

eigener Text

Du hast den Kaffee schon gemacht,
bevor ich wach war.
Das ist kein Gedicht wert,
sagst du.
Ich schreibe es trotzdem auf,
damit ich in vierzig Jahren weiß,
wie das Glück an einem Dienstag aussah.

Längere Liebesgedichte für Brief und besondere Tage

Ich habe dich so lieb

Joachim Ringelnatz (1883 bis 1934)

Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofen
Schenken.

Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.

Vorbei – verjährt –
Doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt,
Ist leise.

Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.

Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.

Ich habe dich so lieb.

Im Netz kursieren meist nur die ersten vier Zeilen, so als wäre das schon das ganze Gedicht. Dann wirkt es wie ein witziger Liebesspruch. Vollständig ist es etwas anderes: ein Gedicht über eine vergangene Liebe, über das Älterwerden und darüber, dass man trotzdem lacht. Willst du nur die Kachelstrophe auf eine Karte schreiben, ist das in Ordnung. Du solltest dann aber wissen, dass du einen Ausschnitt verschenkst.

Was ich meine, wenn ich es sage

eigener Text

Wenn ich sage, ich liebe dich,
meine ich nicht den Abend, an dem wir uns kennenlernten.
Ich meine den Morgen danach,
an dem du nicht gegangen bist.
Ich meine das Wartezimmer im Krankenhaus,
die Umzugskartons im vierten Stock ohne Aufzug,
das Jahr, in dem wir wenig Geld und viel Zeit hatten.
Ich meine dich mit nassen Haaren
und mich, wenn ich schlechte Laune habe
und du trotzdem bleibst.
Das alles meine ich.
Es passt nur nicht in drei Wörter.
Also sage ich die drei Wörter
und hoffe, du hörst den Rest.

Dieses Gedicht ist für Jahrestage gedacht. Du kannst die Zeilen in der Mitte gegen eure eigenen Erinnerungen austauschen. Dann wird es dein Gedicht, und genau das ist der Sinn.

Gedichte über unglückliche Liebe

Diese zwei verschenkt man nicht. Man liest sie, wenn es wehtut. Es tröstet, dass jemand vor zweihundert Jahren genau dasselbe gefühlt hat.

Ein Jüngling liebt ein Mädchen

Heinrich Heine (1797 bis 1856)

Ein Jüngling liebt ein Mädchen,
Die hat einen andern erwählt;
Der andre liebt eine andre,
Und hat sich mit dieser vermählt.

Das Mädchen heiratet aus Ärger
Den ersten besten Mann,
Der ihr in den Weg gelaufen;
Der Jüngling ist übel dran.

Es ist eine alte Geschichte,
Doch bleibt sie immer neu;
Und wem sie just passieret,
Dem bricht das Herz entzwei.

Das verlassene Mägdlein

Eduard Mörike (1804 bis 1875)

Früh, wann die Hähne krähn,
Eh die Sternlein verschwinden,
Muß ich am Herde stehn,
Muß Feuer zünden.

Schön ist der Flammen Schein,
Es springen die Funken;
Ich schaue so drein,
In Leid versunken.

Plötzlich, da kommt es mir,
Treuloser Knabe,
Daß ich die Nacht von dir
Geträumet habe.

Träne auf Träne dann
Stürzet hernieder;
So kommt der Tag heran –
O ging' er wieder!

Warum hier kein Kaléko und noch kein Brecht steht

Viele suchen nach Liebesgedichten von Mascha Kaléko oder Hermann Hesse. Ihre Texte sind noch urheberrechtlich geschützt. Das Recht endet 70 Jahre nach dem Tod, gezählt ab dem Ende des Todesjahres. Bei Kaléko ist das 2046 so weit, bei Hesse 2033. Bis dahin darf niemand ihre Gedichte einfach vollständig veröffentlichen. Wenn du sie verschenken willst, kauf einen Gedichtband. Ein schön gebundenes Buch mit einem Lesezeichen an der richtigen Seite ist ohnehin das bessere Geschenk.

Bei Bertolt Brecht dauert es nur noch wenige Wochen. Er starb 1956, sein Werk ist also ab dem 1. Januar 2027 frei. Dann nehmen wir auch „Erinnerung an die Marie A.“ auf, eines der schönsten Gedichte darüber, wie eine Liebe verblasst und eine Wolke in Erinnerung bleibt.

So trägst du ein Liebesgedicht vor, ohne dass es peinlich wird

Vorgelesen wird ein Gedicht meistens auf einer Hochzeit, an einem Jahrestag oder ganz privat beim Abendessen. Dabei geht es fast immer an denselben Stellen schief: Man liest zu schnell, schaut nur aufs Papier, und die letzte Zeile geht unter.

  1. Bleib unter einer Minute. Das sind etwa 16 bis 20 Zeilen. Goethes „Nähe des Geliebten“ dauert rund 40 Sekunden, Rilkes „Liebes-Lied“ etwa 45. Alles darüber gehört in einen Brief.
  2. Lies es vorher dreimal laut. Gemeint ist laut, nicht im Kopf. Erst dann merkst du, wo du stolperst. Bei Rilke sind das die Sätze, die über das Zeilenende laufen. Dort machst du am Zeilenende keine Pause.
  3. Lies halb so schnell, wie es sich richtig anfühlt. Wer aufgeregt ist, beschleunigt. Nach jeder Strophe zählst du innerlich bis zwei.
  4. Druck es groß aus. Nimm 16 Punkt Schrift und eine Strophe pro Absatz, auf festem Papier statt am Handy. Ein Bildschirm, der mitten im Gedicht dunkel wird, ruiniert den Moment.
  5. Schau bei der letzten Zeile auf. Lern sie auswendig und sag sie der Person direkt ins Gesicht. Darauf kommt es an.

Auf einer Hochzeit passt ein Gedicht am besten nach dem Ja-Wort oder als Auftakt zur Rede, nie mitten im Essen. Sag in einem Satz, warum du es ausgesucht hast, zum Beispiel: „Dieses Gedicht ist über 200 Jahre alt, und es beschreibt euch besser als alles, was ich selbst hätte schreiben können.“ Dann lies und setz dich wieder. Erklär es danach nicht.

Infografik: Gedicht perfekt vortragen – Länge unter einer Minute halten, Vorher dreimal laut üben, Halb so schnell vorlesen, Nach jeder Strophe pausieren, Text groß ausdrucken, Letzte Zeile Blickkontakt halten
Infografik: Gedicht perfekt vortragen

Ein Gedicht in eine Karte schreiben: drei Regeln

Schreib den Namen des Dichters darunter. Ein Goethe-Text ohne Angabe sieht so aus, als wolltest du ihn als deinen eigenen ausgeben, und das fällt spätestens dann auf, wenn dein Schatz die Zeilen googelt.

Kürzen ist erlaubt, wenn du ganze Strophen nimmst. Von Goethes „Nähe des Geliebten“ trägt die letzte Strophe allein. Bei Rilke funktioniert das nicht, weil das Gedicht aus einem einzigen Gedankengang besteht.

Schreib eine Zeile von dir dazu. „Das hab ich gelesen und an dich gedacht“ reicht völlig. Erst dadurch wird aus einem Zitat ein Geschenk.

Am Ende zählt nicht, ob dein Liebesgedicht von Goethe stammt oder von dir. Es zählt, ob dein Schatz darin erkennt, dass du an ihn oder an sie gedacht hast und nicht an irgendwen. Ein Klassiker leiht dir Worte, die größer sind als deine eigenen. Ein eigenes Gedicht kann dagegen Dinge sagen, die nur ihr beide versteht. Für den Anfang reichen oft schon vier Zeilen über einen gewöhnlichen Dienstag.

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